Viele Menschen glauben, Schimmel in Wohnungen entstehe hauptsächlich durch falsches Lüften. Lüften spielt tatsächlich eine wichtige Rolle. Doch häufig steckt hinter Schimmel ein physikalischer Prozess, der mit Temperatur, Feuchtigkeit und Wandoberflächen zu tun hat.
In der Bauphysik sind zwei Begriffe besonders wichtig:
- Oberflächentemperatur von Wänden
- Taupunkt der Luft
Wenn diese beiden Faktoren ungünstig zusammenkommen, kann sich Kondenswasser an Wänden bilden. Genau dieses Wasser ist häufig der entscheidende Auslöser für Schimmelbildung.
Wer versteht, wie Taupunkt und Oberflächentemperatur funktionieren, kann viele Schimmelprobleme deutlich besser einordnen.
Was Bauphysik mit Schimmel zu tun hat
In Wohnräumen gibt es ständig ein Zusammenspiel zwischen:
- Raumtemperatur
- Luftfeuchtigkeit
- Temperatur der Wandoberflächen.
Warme Luft kann relativ viel Feuchtigkeit aufnehmen. Wenn diese Luft jedoch abkühlt, kann sie weniger Wasser halten.
Trifft warme, feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche, kann sich Wasserdampf als Kondenswasser absetzen.
Dieser Vorgang ist völlig normal und lässt sich zum Beispiel gut an beschlagenen Fenstern beobachten.
In Wohnungen kann dieser Effekt jedoch auch an Wänden auftreten – besonders an kalten Außenflächen.
Die Oberflächentemperatur von Wänden
Die Temperatur der Raumluft und die Temperatur der Wandoberfläche sind nicht identisch.
Ein Raum kann zum Beispiel 21 °C warm sein, während eine Außenwand deutlich kühler bleibt.
Typisches Beispiel:
- Raumtemperatur: 21 °C
- Wandoberfläche einer Außenwand im Winter: 14–16 °C
In schlecht gedämmten Gebäuden kann die Oberflächentemperatur sogar noch niedriger sein.
Wenn warme Luft auf diese kälteren Flächen trifft, kann sich Feuchtigkeit absetzen.
Der Taupunkt – wann Luft Feuchtigkeit abgibt
Der Taupunkt ist ein zentraler Begriff der Bauphysik.
Er beschreibt die Temperatur, bei der Luft so weit abgekühlt ist, dass sie ihre Feuchtigkeit nicht mehr vollständig halten kann.
Sobald die Luft diesen Punkt erreicht, beginnt Wasserdampf zu kondensieren.
Man kann sich das so vorstellen:
Warme Luft funktioniert wie ein Schwamm für Wasser. Je wärmer sie ist, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen.
Wenn die Luft abkühlt, wird der „Schwamm“ kleiner – und ein Teil des Wassers fällt heraus.
Beispiel: Wie Taupunkt und Kondensation entstehen
Nehmen wir einen typischen Wohnraum.
Raumklima:
- Raumtemperatur: 21 °C
- Luftfeuchtigkeit: 60 %
Bei dieser Kombination enthält die Luft ungefähr 11 Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft.
Nun stellt sich die Frage:
Bei welcher Temperatur kann Luft maximal noch diese Menge Wasser halten?
Die Antwort liegt bei ungefähr 13 °C.
Das bedeutet:
Wenn eine Wandoberfläche kälter als 13 °C wird, kann sich Wasser aus der Raumluft dort absetzen.
Dieser Punkt wird Taupunkt genannt.
Warum Schimmel besonders an Außenwänden entsteht
Außenwände sind im Winter deutlich stärker von Temperaturunterschieden betroffen als Innenwände.
Während Innenwände von beiden Seiten durch warme Räume beeinflusst werden, geben Außenwände ständig Wärme an die Außenluft ab.
Dadurch kann ihre Oberflächentemperatur deutlich niedriger sein.
Typisches Beispiel im Winter:
- Raumtemperatur: 21 °C
- Außenwandtemperatur: 12–14 °C
Wenn der Taupunkt der Raumluft bei etwa 13 °C liegt, kann es genau an dieser Wand zu Kondensation kommen.
Bleibt diese Feuchtigkeit bestehen, kann Schimmel entstehen.
Warum Schimmel besonders in Ecken entsteht
Viele Menschen wundern sich, warum Schimmel besonders häufig in Raumecken oder hinter Möbeln entsteht.
Der Grund liegt ebenfalls in der Bauphysik.
In Ecken treffen mehrere Außenflächen aufeinander. Dadurch kann dort mehr Wärme verloren gehen als an einer glatten Wand.
Die Oberflächentemperatur in diesen Bereichen ist daher oft niedriger.
Diese kühleren Stellen erreichen schneller den Taupunkt.
Warum Möbel das Problem verstärken können
Wenn große Möbel direkt an einer Außenwand stehen, kann sich das Risiko für Schimmel zusätzlich erhöhen.
Das liegt daran, dass Möbel:
- die Luftzirkulation behindern
- verhindern, dass warme Raumluft die Wand erreicht
- die Wandoberfläche stärker auskühlen lassen.
Dadurch kann sich hinter Möbeln leichter Kondensation bilden.
Typische Beispiele sind:
- große Kleiderschränke
- Sofas an Außenwänden
- Betten mit breitem Kopfteil
- große Bücherregale.
Wie Luftfeuchtigkeit das Risiko beeinflusst
Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto höher liegt der Taupunkt.
Das bedeutet: Die Wand muss weniger stark abkühlen, damit Kondensation entsteht.
Beispiel bei 21 °C Raumtemperatur:
40 % Luftfeuchtigkeit → Taupunkt etwa 7 °C
60 % Luftfeuchtigkeit → Taupunkt etwa 13 °C
80 % Luftfeuchtigkeit → Taupunkt etwa 17 °C
Das zeigt deutlich, wie stark hohe Luftfeuchtigkeit das Schimmelrisiko erhöht.
Warum Lüften so wichtig ist
Lüften reduziert die Luftfeuchtigkeit im Raum.
Wenn trockene Außenluft in den Raum gelangt, kann sie Feuchtigkeit aufnehmen und nach draußen transportieren.
Dadurch sinkt der Taupunkt der Raumluft.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kondenswasser an Wänden bildet, wird dadurch deutlich geringer.
Auch Heizen beeinflusst die Bauphysik
Eine gleichmäßige Raumtemperatur kann ebenfalls helfen, Kondensation zu vermeiden.
Wenn Räume stark auskühlen, sinkt auch die Oberflächentemperatur der Wände.
Dadurch kann der Taupunkt schneller erreicht werden.
Moderates Heizen sorgt dafür, dass Wandoberflächen wärmer bleiben.
Typische Stellen für bauphysikalische Feuchtigkeitsprobleme
In vielen Wohnungen treten bauphysikalische Feuchtigkeitsprobleme an ähnlichen Stellen auf.
Besonders häufig betroffen sind:
- Außenwände
- Gebäudeecken
- Fensterlaibungen
- Bereiche hinter Möbeln
- Deckenanschlüsse.
Diese Bereiche haben oft niedrigere Oberflächentemperaturen als andere Wandflächen.
Wichtig
Schimmel in Wohnungen entsteht häufig durch ein Zusammenspiel von Oberflächentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Taupunkt.
Wenn warme, feuchte Luft auf eine kalte Wand trifft, kann sich Kondenswasser bilden. Bleibt diese Feuchtigkeit längere Zeit bestehen, können sich Schimmelpilze entwickeln.
Die Bauphysik eines Gebäudes spielt deshalb eine entscheidende Rolle.
Eine gute Luftzirkulation, moderate Luftfeuchtigkeit und ausreichend warme Wandoberflächen können helfen, das Risiko für Schimmel deutlich zu reduzieren.
Wer diese Zusammenhänge versteht, kann viele Schimmelprobleme besser einordnen und gezielt vorbeugen.
