Mykotoxine – unsichtbare Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen

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Wenn über Schimmel in Wohnungen gesprochen wird, denken die meisten Menschen zuerst an sichtbare Flecken an Wänden oder an den typischen muffigen Geruch. Weniger bekannt ist, dass einige Schimmelpilze auch chemische Stoffe produzieren können, die als Mykotoxine bezeichnet werden.

Der Begriff setzt sich aus zwei Teilen zusammen:
„Myko“ bedeutet Pilz und „Toxin“ bedeutet Giftstoff. Mykotoxine sind also Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze, die unter bestimmten Bedingungen entstehen können.

Diese Stoffe gehören zu den faszinierenden, aber auch komplexen Aspekten der Mikrobiologie. Sie zeigen, dass Schimmel nicht nur ein sichtbares Problem sein kann, sondern auch auf biologischer Ebene aktiv ist.

Warum Schimmelpilze Mykotoxine produzieren

In der Natur leben viele Mikroorganismen auf engem Raum zusammen. Pilze, Bakterien und andere Mikroorganismen konkurrieren ständig um Nahrung und Lebensraum.

Einige Schimmelpilze produzieren Mykotoxine vermutlich als chemische „Waffe“ gegen andere Mikroorganismen. Diese Stoffe können verhindern, dass konkurrierende Organismen im gleichen Bereich wachsen.

Mykotoxine sind daher Teil eines ökologischen Konkurrenzsystems in der Natur.

Viele dieser Stoffe wurden erst im 20. Jahrhundert entdeckt, als Wissenschaftler begannen, Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte genauer zu untersuchen.

Wo Mykotoxine ursprünglich entdeckt wurden

Der wissenschaftliche Fokus auf Mykotoxine begann nicht in Wohnungen, sondern in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

Ein bekanntes Beispiel ist Aflatoxin, das von bestimmten Aspergillus-Pilzen produziert werden kann. Dieses Toxin wurde erstmals entdeckt, nachdem in den 1960er-Jahren große Mengen von Futtermitteln kontaminiert waren und zu Tierverlusten führten.

Seitdem werden Lebensmittel weltweit auf bestimmte Mykotoxine kontrolliert, zum Beispiel in:

  • Getreide
  • Mais
  • Nüssen
  • Gewürzen
  • Tierfutter.

In diesem Bereich ist die Forschung besonders weit entwickelt.

Welche Schimmelpilze Mykotoxine produzieren können

Nicht jeder Schimmelpilz bildet Mykotoxine. Nur bestimmte Arten besitzen die genetische Fähigkeit, solche Stoffe zu produzieren.

Zu den bekanntesten Schimmelgattungen gehören:

Aspergillus

Diese Gattung kommt weltweit vor und kann auf vielen Materialien wachsen. Einige Arten produzieren bekannte Mykotoxine wie Aflatoxine oder Ochratoxin.

Penicillium

Diese Pilze sind ebenfalls weit verbreitet. Manche Arten können Mykotoxine bilden, während andere sogar nützlich sind – zum Beispiel bei der Herstellung von Antibiotika oder bestimmten Käsesorten.

Fusarium

Diese Schimmelpilze treten häufig auf landwirtschaftlichen Pflanzen auf und können verschiedene Mykotoxine produzieren.

Stachybotrys

Diese Schimmelart wächst besonders auf stark feuchten Materialien wie Gipskarton oder Papier. Sie wird manchmal mit sogenannten „schwarzen Schimmelpilzen“ in Gebäuden in Verbindung gebracht.

Nicht jeder Schimmel produziert Mykotoxine

Ein wichtiger Punkt wird oft übersehen: Die Fähigkeit zur Mykotoxinproduktion bedeutet nicht automatisch, dass sie immer stattfindet.

Ob ein Schimmelpilz tatsächlich Mykotoxine bildet, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Feuchtigkeit
  • Temperatur
  • Nährstoffe im Material
  • Wachstumsdauer
  • Konkurrenz mit anderen Mikroorganismen.

Selbst wenn eine Schimmelart grundsätzlich Mykotoxine produzieren kann, geschieht das nicht zwangsläufig in jeder Umgebung.

Mykotoxine sind meist unsichtbar

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Mykotoxine nicht sichtbar oder riechbar sind.

Der typische muffige Geruch bei Schimmel entsteht durch andere Stoffe, sogenannte mikrobielle flüchtige organische Verbindungen (MVOCs).

Mykotoxine selbst sind chemische Moleküle, die mit bloßem Auge nicht erkannt werden können.

Das bedeutet auch, dass sichtbarer Schimmel nicht automatisch etwas über mögliche Mykotoxine aussagt – und umgekehrt.

Wie Menschen mit Mykotoxinen in Kontakt kommen können

In Innenräumen ist der häufigste Kontaktweg nicht das direkte Einatmen von Mykotoxinen selbst, sondern eher der Kontakt mit:

  • Schimmelsporen
  • Staubpartikeln
  • mikrobiellen Fragmenten.

Wenn Materialien stark von Schimmel befallen sind, können kleine Partikel in die Luft gelangen und eingeatmet werden.

Der wichtigste Faktor bleibt dabei jedoch fast immer Feuchtigkeit im Gebäude, da sie das Wachstum von Mikroorganismen ermöglicht.

Warum Feuchtigkeit immer der Ausgangspunkt ist

Schimmel und mögliche Mykotoxine können nur entstehen, wenn ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.

Typische Ursachen sind:

  • Kondensation an kalten Wänden
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • Wasserschäden
  • undichte Dächer oder Leitungen
  • Wärmebrücken
  • schlecht belüftete Räume.

Deshalb konzentriert sich die Schimmelbekämpfung in der Praxis vor allem auf die Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle.

Schimmel in Gebäuden ist ein Zeichen für ein Feuchtigkeitsproblem

Unabhängig davon, ob Mykotoxine vorhanden sind oder nicht, zeigt Schimmel fast immer, dass irgendwo im Gebäude ein Feuchtigkeitsproblem besteht.

Schimmel wächst häufig an:

  • Außenwänden
  • Fensterlaibungen
  • hinter Möbeln
  • in Badezimmern
  • in Kellern
  • auf Tapeten oder Holz.

Diese Stellen sind oft kühl oder schlecht belüftet, sodass Feuchtigkeit länger bestehen bleibt.

Warum das Thema Mykotoxine häufig missverstanden wird

Im Internet wird das Thema Mykotoxine häufig sehr unterschiedlich dargestellt.

Einige Quellen behaupten, dass Schimmel immer hochgiftige Stoffe produziert, während andere das Thema komplett verharmlosen.

Die Realität ist komplexer. Wissenschaftlich gilt:

  • Einige Schimmelarten können Mykotoxine produzieren.
  • Ob dies tatsächlich geschieht, hängt von vielen Faktoren ab.
  • Feuchtigkeit bleibt die wichtigste Voraussetzung für Schimmelwachstum.

Wichtige Erkenntniss

Mykotoxine sind chemische Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze. Sie entstehen in der Natur als Teil eines biologischen Konkurrenzsystems zwischen Mikroorganismen.

Nicht jeder Schimmel produziert automatisch Mykotoxine, und ihre Bildung hängt stark von den Umweltbedingungen ab.

In Innenräumen ist der wichtigste Punkt weiterhin die Kontrolle von Feuchtigkeit, denn ohne Feuchtigkeit können sich Schimmelpilze nicht dauerhaft entwickeln.

Wer Schimmel in seiner Wohnung entdeckt, sollte deshalb vor allem die Ursache der Feuchtigkeit klären und geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Raumklima langfristig zu verbessern.

Schimmel entsteht meist nicht durch einen einzigen Faktor. Oft spielen Raumklima, Feuchtigkeit, Bauphysik und Lüftungsverhalten zusammen. In den folgenden Artikeln finden Sie weitere wichtige Ursachen und Lösungen.