Datenlogger in Wohnungen – Messgerät oder Beweis gegen Bewohner?

Schimmel in Wohnungen führt häufig zu Konflikten zwischen Bewohnern, Verwaltungen, Eigentümern und Versicherungen. Sobald Feuchtigkeitsschäden auftreten, beginnt fast immer dieselbe Diskussion:
Liegt der Schaden an einem Bauproblem oder wurde angeblich falsch gelüftet?

In vielen Fällen greifen Verwaltungen zu einem technischen Instrument, das auf den ersten Blick sehr objektiv wirkt: dem Datenlogger.

Diese kleinen Geräte werden in Wohnungen installiert und zeichnen über Wochen oder Monate Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf. Offiziell dienen sie dazu, das Raumklima zu dokumentieren. In der Praxis werden sie jedoch oft auch eingesetzt, um später argumentieren zu können, dass der Bewohner angeblich falsch gelüftet oder geheizt hat.

Doch wie funktionieren diese Geräte eigentlich? Was messen sie wirklich? Und wie aussagekräftig sind diese Daten?

Dieser Artikel erklärt das Thema ausführlich aus bauphysikalischer Sicht.

Was ist ein Datenlogger?

Ein Datenlogger ist ein kleines elektronisches Messgerät, das bestimmte Werte über einen längeren Zeitraum automatisch speichert.

In Wohnungen werden Datenlogger meist eingesetzt, um das Raumklima zu überwachen.

Typische Messwerte sind:

  • Raumtemperatur
  • relative Luftfeuchtigkeit
  • teilweise Taupunkt
  • manchmal auch CO₂-Konzentration

Das Gerät speichert diese Werte in festen Zeitabständen.

Zum Beispiel:

  • alle 5 Minuten
  • alle 10 Minuten
  • alle 30 Minuten
  • oder einmal pro Stunde

Nach einigen Wochen oder Monaten werden die Daten ausgelesen und als Diagramm dargestellt.

Man sieht dann genau:

  • wann die Luftfeuchtigkeit gestiegen ist
  • wann sie wieder gesunken ist
  • wann gelüftet wurde
  • wie stark die Temperatur schwankt

Auf den ersten Blick wirken diese Diagramme sehr eindeutig.

In der Realität ist ihre Interpretation jedoch oft wesentlich komplizierter.

Warum Verwaltungen Datenlogger installieren

Wenn Schimmel in einer Wohnung auftritt, versuchen Verwaltungen häufig zuerst herauszufinden, ob das Problem durch das Verhalten des Bewohners entstanden ist.

Typische Vorwürfe lauten dann:

  • zu wenig gelüftet
  • zu wenig geheizt
  • Wäsche in der Wohnung getrocknet
  • zu hohe Luftfeuchtigkeit verursacht
  • falsches Wohnverhalten

Um diese Fragen zu klären, wird ein Datenlogger installiert.

Die Verwaltung argumentiert dann häufig:

  • Das Gerät zeigt, ob richtig gelüftet wird
  • Es dokumentiert das Raumklima objektiv
  • Die Daten liefern einen Beweis

In Streitfällen wird später oft versucht, aus diesen Messwerten abzuleiten, dass der Bewohner den Schaden selbst verursacht hat.

Der Hintergrund ist klar: Wenn der Schaden als Nutzerfehler eingestuft wird, müssen Verwaltung, Eigentümergemeinschaft oder Versicherung die Sanierungskosten meist nicht übernehmen.

Welche Daten ein Datenlogger tatsächlich misst

Ein Datenlogger misst nur sehr wenige physikalische Grössen.

Typischerweise sind das:

  • Lufttemperatur
  • relative Luftfeuchtigkeit

Manchmal wird zusätzlich berechnet:

  • Taupunkt

Das Gerät misst jedoch nicht:

  • Wandtemperaturen
  • Feuchtigkeit im Mauerwerk
  • Feuchtigkeit im Putz
  • Wärmebrücken
  • eindringendes Wasser
  • Baufehler

Das ist ein entscheidender Punkt.

Denn Schimmel entsteht nicht nur durch Luftfeuchtigkeit, sondern häufig durch Probleme in der Baukonstruktion.

Relative Luftfeuchtigkeit – eine oft falsch verstandene Messgrösse

Die relative Luftfeuchtigkeit wird in Prozent angegeben.

Typische Werte sind:

  • 30 bis 40 Prozent – eher trockene Luft
  • 40 bis 60 Prozent – normales Raumklima
  • über 60 Prozent – erhöhte Feuchtigkeit
  • über 70 Prozent – kritischer Bereich

Viele Verwaltungen argumentieren deshalb:

Wenn Werte über 60 Prozent auftreten, wurde falsch gelüftet.

Doch diese Aussage ist stark vereinfacht und oft falsch.

Die relative Luftfeuchtigkeit hängt von vielen Faktoren ab.

Zum Beispiel:

  • Temperatur der Raumluft
  • Temperatur der Wände
  • Bauweise des Gebäudes
  • Anzahl der Personen im Raum
  • Aktivitäten wie Duschen oder Kochen

Selbst bei völlig normalem Wohnverhalten können kurzfristig hohe Werte auftreten.

Bauphysik – warum Schimmel entsteht

Schimmel entsteht immer dann, wenn eine Oberfläche über längere Zeit feucht bleibt.

Die entscheidende Frage lautet also:

Warum wird eine Wand oder Oberfläche feucht?

Die wichtigsten Ursachen sind:

  • Kondensation aus der Raumluft
  • Feuchtigkeit aus der Bausubstanz
  • eindringendes Wasser
  • aufsteigende Feuchtigkeit
  • Wärmebrücken

Diese Ursachen haben sehr unterschiedliche physikalische Hintergründe.

Kondensation durch kalte Oberflächen

Warme Luft kann viel Feuchtigkeit aufnehmen.

Trifft diese Luft auf eine kalte Oberfläche, kann sich Wasser absetzen.

Das passiert besonders häufig an:

  • Aussenwänden
  • Fensterlaibungen
  • schlecht gedämmten Bauteilen
  • Betonstützen
  • Balkonanschlüssen

Wenn die Wandoberfläche sehr kalt ist, kann schon bei normaler Luftfeuchtigkeit Kondensation entstehen.

Der Bewohner kann daran oft kaum etwas ändern.

Feuchtigkeit aus dem Gebäude

Viele Schimmelschäden entstehen nicht durch Raumluft, sondern durch Feuchtigkeit aus der Konstruktion.

Typische Ursachen sind:

  • defekte Abdichtungen
  • fehlende Drainage
  • Risse in der Fassade
  • aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Boden
  • hoher Grundwasserstand
  • undichte Kellerwände

In solchen Fällen bringt Lüften wenig oder gar nichts.

Die Ursache liegt im Gebäude selbst.

Warum Datenlogger häufig falsch interpretiert werden

  • Ein Datenlogger misst nur die Luft im Raum.
  • Er sagt nichts über den Zustand der Baukonstruktion aus.
  • Das führt häufig zu Fehlinterpretationen.

Ein typisches Beispiel:

Eine Aussenwand ist schlecht gedämmt.
Die Wandoberfläche wird im Winter sehr kalt.

Schon bei normaler Luftfeuchtigkeit kann dort Kondensation entstehen.

Der Datenlogger zeigt jedoch vielleicht:

  • 50 Prozent Luftfeuchtigkeit
  • normale Temperatur

Trotzdem entsteht Schimmel.

Die Ursache ist in diesem Fall eine Wärmebrücke, nicht falsches Lüften.

Luftfeuchtigkeit schwankt im Alltag ständig

Die Luftfeuchtigkeit in Wohnungen verändert sich permanent.

Typische Ursachen sind:

  • Duschen
  • Baden
  • Kochen
  • viele Personen im Raum
  • Pflanzen
  • Regenwetter
  • Wäsche trocknen

Kurzzeitig höhere Werte sind völlig normal.

Ein Diagramm mit solchen Schwankungen beweist noch lange nicht, dass jemand falsch lüftet.

Der Unterschied zwischen Luftfeuchtigkeit und Bauteilfeuchte

Hier liegt einer der wichtigsten Punkte.

Luftfeuchtigkeit beschreibt nur den Zustand der Raumluft.

Bauteilfeuchte beschreibt die Feuchtigkeit in Materialien wie:

  • Mauerwerk
  • Beton
  • Putz
  • Dämmung

Diese Feuchtigkeit kann entstehen durch:

  • eindringendes Wasser
  • fehlende Abdichtungen
  • kapillare Feuchte
  • Grundwasser

Ein Datenlogger misst diese Feuchtigkeit nicht.

Warum Bauphysiker Datenlogger nur als Hilfsmittel betrachten

Seriöse Bauphysiker verlassen sich nie nur auf Datenlogger.

Eine vollständige Untersuchung umfasst meist mehrere Methoden.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Messung der Raumluft
  • Messung der Oberflächentemperaturen
  • Thermografie
  • Feuchtigkeitsmessung im Mauerwerk
  • Analyse der Baukonstruktion
  • Untersuchung von Wärmebrücken

Erst die Kombination dieser Informationen erlaubt eine verlässliche Diagnose.

Typische Bauprobleme, die Schimmel verursachen

Viele Schimmelprobleme entstehen durch bauliche Mängel.

Häufige Beispiele sind:

  • Wärmebrücken an Aussenwänden
  • schlecht gedämmte Fassaden
  • undichte Fensteranschlüsse
  • fehlende Abdichtungen
  • beschädigte Drainagen
  • aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Boden

In solchen Fällen hilft häufig keine Lüftungsstrategie.

Die Ursache liegt im Gebäude.

Wann Datenlogger sinnvoll sein können

Trotz aller Kritik können Datenlogger auch hilfreich sein.

Richtig eingesetzt liefern sie wertvolle Informationen.

Zum Beispiel:

  • langfristige Dokumentation des Raumklimas
  • Analyse von Feuchtigkeitsspitzen
  • Unterstützung bauphysikalischer Gutachten
  • Planung von Sanierungsmassnahmen

Wichtig ist jedoch, dass ihre Ergebnisse nicht isoliert interpretiert werden.

Sind Datenlogger Beweis für falsches Lüften?

Datenlogger sind nützliche Messgeräte, aber ihre Aussagekraft wird häufig überschätzt.

Sie messen nur:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit

Sie zeigen jedoch nicht:

  • warum Schimmel entsteht
  • ob ein Baufehler vorliegt
  • ob Feuchtigkeit aus dem Gebäude kommt

Schimmel kann viele Ursachen haben.

Dazu gehören unter anderem:

  • Wärmebrücken
  • mangelhafte Dämmung
  • aufsteigende Feuchtigkeit
  • undichte Fassaden
  • fehlende Abdichtungen
  • hoher Grundwasserstand

Ein Datenlogger allein kann diese Ursachen nicht erkennen.

Deshalb sollte jede Schimmeluntersuchung immer von einem qualifizierten Bauphysiker durchgeführt werden, der sowohl das Raumklima als auch die Baukonstruktion analysiert.

Nur so lässt sich wirklich klären, ob ein Problem durch das Gebäude oder durch das Verhalten der Bewohner verursacht wurde.

Schimmel entsteht meist nicht durch einen einzigen Faktor. Oft spielen Raumklima, Feuchtigkeit, Bauphysik und Lüftungsverhalten zusammen. In den folgenden Artikeln finden Sie weitere wichtige Ursachen und Lösungen.