Einleitung: Wenn die Luft in der Wohnung belastet ist
Viele Menschen denken bei schlechter Luft in der Wohnung zuerst an Staub oder mangelndes Lüften. Tatsächlich gibt es jedoch eine weitere Gruppe von Stoffen, die eine große Rolle für die Innenraumluft spielen: sogenannte VOC.
Der Begriff taucht immer häufiger auf, besonders wenn Menschen beginnen, die Luftqualität in ihrer Wohnung zu messen. Moderne Messgeräte zeigen oft Werte wie TVOC, ppb oder VOC-Konzentration an. Doch was genau steckt dahinter?
VOC können aus Möbeln, Farben, Reinigungsmitteln oder Baustoffen stammen. In manchen Fällen können sie auch mit Schimmel in der Wohnung zusammenhängen. Deshalb lohnt es sich, dieses Thema genauer zu verstehen.
Dieser Artikel erklärt ausführlich:
- was VOC eigentlich sind
- wo sie in Wohnungen entstehen
- welche Rolle sie für die Luftqualität spielen
- wie sie mit Schimmel zusammenhängen können
- wie man VOC misst und reduziert.
Was sind VOC?
VOC steht für Volatile Organic Compounds, auf Deutsch:
flüchtige organische Verbindungen.
Dabei handelt es sich um chemische Stoffe, die relativ leicht in die Luft verdampfen. Sie entstehen aus vielen Materialien und Produkten, die in Wohnungen ganz normal vorkommen.
Typische Eigenschaften von VOC sind:
- sie verdampfen leicht bei Raumtemperatur
- sie können sich in Innenräumen anreichern
- sie können Gerüche verursachen
- sie beeinflussen die Luftqualität.
Viele VOC sind völlig normal und kommen auch in der Natur vor. Einige Pflanzen geben zum Beispiel ebenfalls organische Verbindungen an die Luft ab.
Problematisch wird es jedoch, wenn sich VOC in Innenräumen ansammeln, besonders wenn die Lüftung schlecht ist.
Wo VOC in der Wohnung entstehen
In modernen Wohnungen gibt es viele mögliche Quellen für VOC. Häufig stammen sie aus Materialien oder Produkten des täglichen Lebens.
Typische VOC-Quellen sind zum Beispiel:
Farben und Lacke
Frisch gestrichene Wände können über längere Zeit VOC abgeben. Besonders Lösungsmittel und bestimmte Bindemittel können noch Wochen nach dem Streichen verdampfen.
Möbel und Holzprodukte
Viele Möbel bestehen aus:
- Spanplatten
- MDF-Platten
- verleimtem Holz.
Dabei werden Klebstoffe verwendet, die VOC freisetzen können.
Bodenbeläge
Auch Bodenbeläge können VOC enthalten, zum Beispiel:
- Laminat
- Vinylböden
- Teppiche
- Kleber für Parkett oder Teppich.
Reinigungsmittel
Viele Haushaltsreiniger enthalten Duftstoffe oder Lösungsmittel, die ebenfalls VOC freisetzen.
Duftstoffe und Raumparfüm
Duftkerzen, Duftsprays oder Parfüm können die VOC-Konzentration im Raum deutlich erhöhen.
Neue Gebäude
In Neubauten können viele Materialien gleichzeitig VOC abgeben:
- frischer Putz
- Estrich
- Farben
- Dämmstoffe
- Möbel.
Deshalb kann die Luft in neuen Wohnungen manchmal zunächst stärker belastet sein.
Wie VOC die Luftqualität beeinflussen
VOC sind ein wichtiger Bestandteil der sogenannten Innenraumluftqualität.
In schlecht gelüfteten Räumen können sich diese Stoffe ansammeln. Wenn viele Quellen gleichzeitig vorhanden sind, kann die Konzentration deutlich ansteigen.
Manche Menschen reagieren empfindlich auf hohe VOC-Konzentrationen.
Mögliche Beschwerden können sein:
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Reizung von Augen und Atemwegen
- Konzentrationsprobleme
- unangenehme Gerüche.
Diese Beschwerden werden manchmal mit dem Begriff Sick Building Syndrome in Verbindung gebracht.
Dabei handelt es sich um Symptome, die auftreten können, wenn Menschen längere Zeit in schlecht belüfteten Gebäuden mit belasteter Innenraumluft verbringen.
VOC und Schimmel – gibt es einen Zusammenhang?
Ein besonders interessantes Thema ist der Zusammenhang zwischen VOC und Schimmel.
Bestimmte Schimmelpilze produzieren sogenannte MVOC.
MVOC steht für:
Microbial Volatile Organic Compounds
Das sind flüchtige organische Verbindungen, die durch mikrobiologische Prozesse entstehen.
Schimmelpilze können während ihres Wachstums verschiedene Gase freisetzen. Diese Gase können für typische Gerüche verantwortlich sein, die viele Menschen mit Schimmel verbinden.
Typische Beschreibungen sind:
- muffiger Geruch
- erdiger Geruch
- Kellergeruch
- modriger Geruch.
In manchen Fällen kann ein solcher Geruch ein Hinweis auf versteckten Schimmel sein.
Wichtig ist jedoch:
Ein hoher VOC-Wert allein beweist keinen Schimmelbefall.
VOC können aus vielen anderen Quellen stammen.
Wie VOC gemessen werden
Moderne Luftqualitätsgeräte können VOC messen. Dabei wird oft der Wert TVOC angezeigt.
TVOC bedeutet:
Total Volatile Organic Compounds
Das ist die Gesamtmenge aller gemessenen flüchtigen organischen Verbindungen.
Die Werte werden häufig in ppb angegeben.
ppb bedeutet:
parts per billion
also Teile pro Milliarde.
Das klingt sehr klein, kann aber trotzdem relevante Konzentrationen darstellen.
Typische VOC-Werte in Innenräumen
Die Bewertung von VOC-Werten hängt von verschiedenen Faktoren ab. Als grobe Orientierung werden häufig folgende Bereiche genannt:
- unter 300 ppb → sehr gute Luftqualität
- 300 bis 500 ppb → normale Werte
- 500 bis 1000 ppb → erhöhte Belastung
- über 1000 ppb → deutlich erhöhte VOC-Konzentration.
Kurzzeitig können Werte auch höher sein, zum Beispiel:
- nach dem Kochen
- nach dem Reinigen
- nach dem Streichen von Wänden.
Entscheidend ist vor allem, ob hohe Werte dauerhaft auftreten.
Warum VOC nachts ansteigen können
Viele Menschen beobachten bei Messgeräten, dass VOC-Werte nachts steigen.
Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe.
Weniger Lüftung
Nachts bleiben Fenster oft geschlossen. Dadurch wird weniger frische Luft ausgetauscht.
Menschen im Raum
Menschen geben durch Atmung und Haut ebenfalls Stoffe an die Luft ab.
Möbel und Materialien
Auch Möbel und Materialien können über längere Zeit VOC freisetzen.
Geringere Luftbewegung
Wenn die Luft im Raum weniger zirkuliert, können sich Gase leichter ansammeln.
Warum VOC allein keinen Schimmel beweisen
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass ein hoher VOC-Wert automatisch auf Schimmel hinweist.
In Wirklichkeit können viele Faktoren eine Rolle spielen:
- neue Möbel
- neue Farben
- Reinigungsmittel
- Duftstoffe
- Baustoffe.
Deshalb sollte VOC immer im Zusammenhang mit anderen Beobachtungen betrachtet werden.
Hinweise auf möglichen Schimmel können zusätzlich sein:
- sichtbare Flecken
- muffiger Geruch
- feuchte Wände
- Kondensation
- erhöhte Luftfeuchtigkeit.
Wie man VOC in der Wohnung reduzieren kann
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die VOC-Belastung in Innenräumen zu verringern.
Regelmäßiges Lüften
Der wichtigste Schritt ist ein ausreichender Luftaustausch.
Stoßlüften hilft, VOC aus dem Raum zu entfernen.
Emissionsarme Materialien
Bei Renovierungen kann man Materialien wählen, die weniger VOC abgeben.
Viele Produkte tragen heute entsprechende Umweltlabels.
Vorsicht bei Duftstoffen
Raumdüfte oder Duftkerzen können VOC-Werte deutlich erhöhen.
Möbel auslüften lassen
Neue Möbel können anfangs mehr VOC freisetzen. In dieser Zeit ist gutes Lüften besonders wichtig.
Luftreiniger
Einige Luftreiniger mit Aktivkohlefiltern können VOC teilweise reduzieren.
Wichtig
VOC sind ein wichtiger Bestandteil der Innenraumluft und können aus vielen Quellen in der Wohnung stammen. Dazu gehören Möbel, Farben, Reinigungsmittel oder Baustoffe.
In manchen Fällen können auch Schimmelpilze flüchtige organische Verbindungen produzieren, die zu typischen Gerüchen beitragen.
Ein erhöhter VOC-Wert bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Schimmel vorhanden ist. Die Werte sollten immer im Zusammenhang mit anderen Faktoren betrachtet werden, zum Beispiel Luftfeuchtigkeit, Geruch oder sichtbaren Feuchtigkeitsschäden.
Wer die Ursachen der Luftbelastung versteht und regelmäßig lüftet, kann die Luftqualität in der Wohnung deutlich verbessern.
