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Wenn Menschen in ihrer Wohnung dunkle Flecken an der Wand entdecken, sprechen sie meist sofort von Schimmel. Doch in der Fachwelt wird häufig ein anderer Begriff verwendet: mikrobiologischer Befall.
Dieser Ausdruck taucht zum Beispiel in Gutachten, Bauuntersuchungen oder bei Schimmelsanierungen auf. Viele Betroffene fragen sich deshalb: Ist mikrobiologischer Befall einfach nur ein anderes Wort für Schimmel – oder steckt mehr dahinter?
Die Antwort ist: Schimmel ist oft nur ein Teil eines größeren Problems. In feuchten Gebäuden können sich verschiedene Mikroorganismen gleichzeitig entwickeln. Deshalb sprechen Fachleute häufig allgemein von mikrobiologischem Wachstum oder mikrobiologischem Befall in Gebäuden.
In diesem Artikel erklären wir ausführlich, was der Unterschied ist, warum Feuchtigkeit die entscheidende Rolle spielt und weshalb das Verständnis dieses Begriffs helfen kann, Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme besser einzuordnen.
Was bedeutet mikrobiologischer Befall in Gebäuden?
Der Begriff mikrobiologischer Befall beschreibt grundsätzlich das Wachstum von Mikroorganismen auf Materialien oder Oberflächen.
Zu diesen Mikroorganismen gehören unter anderem:
- Schimmelpilze
- Bakterien
- Hefen
- Aktinobakterien.
Alle diese Organismen sind natürlicherweise in unserer Umwelt vorhanden. Sie kommen in der Luft, im Boden, auf Pflanzen und auch in Innenräumen vor.
Probleme entstehen in Gebäuden vor allem dann, wenn Feuchtigkeit vorhanden ist, die das Wachstum dieser Mikroorganismen ermöglicht.
Schimmel ist nur eine Gruppe von Mikroorganismen
Wenn Menschen von Schimmel sprechen, meinen sie in der Regel Schimmelpilze, also eine bestimmte Gruppe von Pilzen.
Typische Schimmelpilze, die in Innenräumen vorkommen können, sind zum Beispiel:
- Aspergillus
- Penicillium
- Cladosporium
- Alternaria.
Diese Pilze bilden Sporen, die über die Luft verbreitet werden. Gelangen sie auf feuchte Materialien, können sie beginnen zu wachsen.
Schimmel ist daher ein sichtbarer Teil eines mikrobiologischen Prozesses, der in feuchten Materialien stattfinden kann.
Warum Experten oft von mikrobiologischem Befall sprechen
In der Praxis zeigt sich häufig, dass feuchte Materialien nicht nur von Schimmelpilzen besiedelt werden.
Wenn beispielsweise eine Wand durch Feuchtigkeit beschädigt wird, können gleichzeitig mehrere Mikroorganismen wachsen:
- Schimmelpilze auf der Oberfläche
- Bakterien im Putz
- Mikroorganismen im Dämmmaterial
- verschiedene mikrobielle Gemeinschaften im Staub.
Deshalb sprechen Fachleute oft nicht nur von Schimmel, sondern von mikrobiologischer Besiedlung oder mikrobiologischem Wachstum im Gebäude.
Dieser Begriff beschreibt das Problem umfassender.
Die zentrale Ursache: Feuchtigkeit im Gebäude
Unabhängig davon, ob es sich um Schimmel oder andere Mikroorganismen handelt, gilt ein grundlegendes Prinzip:
Ohne Feuchtigkeit können sich diese Organismen in Gebäuden normalerweise nicht dauerhaft entwickeln.
Feuchtigkeit ist daher die wichtigste Voraussetzung für mikrobiologisches Wachstum.
Typische Ursachen für Feuchtigkeit in Gebäuden sind:
- Kondensation an kalten Wänden
- hohe Luftfeuchtigkeit
- Wasserschäden
- undichte Leitungen
- Feuchtigkeit aus dem Erdreich
- Baufeuchte
- Wärmebrücken.
Wenn Materialien dauerhaft feucht bleiben, entsteht ein idealer Lebensraum für Mikroorganismen.
Wie mikrobiologischer Befall in Materialien entsteht
Viele Baustoffe enthalten organische Bestandteile, die als Nährstoff dienen können.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Tapeten
- Holz
- Papier
- Karton
- Staub
- Textilien.
Wenn solche Materialien feucht werden, können Mikroorganismen beginnen, die organischen Bestandteile abzubauen.
Dieser Prozess führt häufig zu:
- Geruchsbildung
- Materialschäden
- sichtbarem Schimmelwachstum.
Warum mikrobiologischer Befall oft verborgen bleibt
Ein wichtiger Punkt ist, dass mikrobiologisches Wachstum nicht immer sofort sichtbar ist.
Schimmel kann sich zum Beispiel entwickeln:
- hinter Tapeten
- unter Bodenbelägen
- in Dämmmaterialien
- hinter Möbeln
- in Trockenbauwänden.
Auch Bakterien oder andere Mikroorganismen können im Inneren von Materialien wachsen, ohne dass dies von außen sofort erkennbar ist.
Deshalb werden Feuchtigkeitsschäden manchmal erst entdeckt, wenn sich:
- ein muffiger Geruch bildet
- Materialien beschädigt werden
- sichtbarer Schimmel entsteht.
Typische Hinweise auf mikrobiologischen Befall
Auch wenn der Befall nicht direkt sichtbar ist, gibt es häufig Hinweise.
Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- modriger oder erdiger Geruch
- feuchte Stellen an Wänden
- sich lösende Tapeten
- Verfärbungen
- wiederkehrende Schimmelbildung.
Gerüche entstehen häufig durch sogenannte mikrobielle flüchtige organische Verbindungen (MVOCs), die von Mikroorganismen produziert werden.
Unterschiede zwischen Schimmel und Bakterien in Gebäuden
Obwohl Schimmel und Bakterien beide Mikroorganismen sind, unterscheiden sie sich in einigen Punkten.
Schimmelpilze
- bilden sichtbare Kolonien
- verbreiten sich über Sporen
- wachsen häufig auf Oberflächen.
Bakterien
- sind meist unsichtbar
- können im Material wachsen
- benötigen ebenfalls Feuchtigkeit.
In feuchten Gebäuden können beide Gruppen gleichzeitig vorkommen.
Warum mikrobiologischer Befall in Gebäuden ernst genommen wird
Feuchtigkeitsschäden können langfristig verschiedene Folgen haben:
- Schäden an Baumaterialien
- Geruchsprobleme
- Verschlechterung der Raumluftqualität.
Deshalb empfehlen viele Fachorganisationen, Feuchtigkeit in Gebäuden möglichst früh zu erkennen und zu beseitigen.
Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits darauf hingewiesen, dass feuchte Gebäude vermieden werden sollten, da sie das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen.
Warum oberflächliche Reinigung oft nicht ausreicht
Ein häufiger Fehler besteht darin, sichtbaren Schimmel lediglich zu reinigen oder zu überstreichen.
Wenn die Feuchtigkeit im Material weiterhin vorhanden ist, kann sich mikrobiologisches Wachstum erneut entwickeln.
Deshalb konzentrieren sich Fachleute bei der Sanierung vor allem auf:
- die Ursache der Feuchtigkeit
- beschädigte Materialien
- ausreichende Trocknung.
Wann eine genauere Untersuchung sinnvoll sein kann
Eine genauere Untersuchung kann hilfreich sein, wenn:
- Schimmel immer wieder auftritt
- der Ursprung der Feuchtigkeit unklar ist
- größere Flächen betroffen sind
- ein Wasserschaden vorliegt.
Fachleute können dabei verschiedene Methoden einsetzen, zum Beispiel:
- Feuchtigkeitsmessungen
- Wärmebildkameras
- Materialuntersuchungen.
Wichtig
Der Begriff mikrobiologischer Befall beschreibt das Wachstum verschiedener Mikroorganismen in Gebäuden. Schimmel ist dabei nur ein Teil dieses Prozesses.
In feuchten Gebäuden können gleichzeitig mehrere Mikroorganismen wachsen, darunter Schimmelpilze, Bakterien und andere mikrobielle Gemeinschaften.
Die wichtigste Voraussetzung für dieses Wachstum ist fast immer Feuchtigkeit im Gebäude. Deshalb besteht der wichtigste Schritt darin, Feuchtigkeitsquellen zu erkennen und dauerhaft zu beseitigen.
Wer den Unterschied zwischen Schimmel und mikrobiologischem Befall versteht, kann Feuchtigkeitsprobleme besser einordnen und geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Raumklima langfristig zu verbessern.
