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Schimmel in der Wohnung – wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen von Experten
Schimmel in Wohnungen ist ein Thema, das viele Menschen beschäftigt. Sobald dunkle Flecken an einer Wand erscheinen oder ein muffiger Geruch wahrgenommen wird, stellt sich schnell die Frage, wie gefährlich das Problem tatsächlich ist und woher es kommt.
In der Diskussion über Schimmel treffen häufig zwei Perspektiven aufeinander. Auf der einen Seite stehen wissenschaftliche Studien aus Bereichen wie Bauphysik, Umweltmedizin oder Innenraumhygiene. Auf der anderen Seite stehen Fachleute aus der Praxis, die täglich Gebäude untersuchen und Feuchtigkeitsschäden analysieren.
Zu diesen Praktikern gehören beispielsweise Bauphysiker, Schimmelgutachter, Sanierungsfirmen oder Inspektoren, die sich auf Innenraumluftqualität spezialisiert haben. Einer der bekanntesten internationalen Experten aus dieser praktischen Perspektive ist der amerikanische Schimmelinspektor Brian Karr, Gründer des Unternehmens We Inspect.
Karr beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Untersuchung von Gebäuden, in denen Feuchtigkeitsprobleme und Schimmel auftreten. In Vorträgen, Interviews und sozialen Medien beschreibt er immer wieder, dass Schimmelprobleme häufig komplexer sind, als viele Menschen zunächst denken.
Doch wie unterscheiden sich wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen tatsächlich? Und warum ist es wichtig, beide Perspektiven zu verstehen?
Warum Schimmel in Wohnungen überhaupt entsteht
Um Schimmelprobleme zu verstehen, muss man zunächst die grundlegenden Bedingungen betrachten, unter denen Schimmel wachsen kann.
Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die überall in unserer Umwelt vorkommen. Ihre Sporen befinden sich in der Luft, im Boden und auf vielen Oberflächen. In der Regel sind diese Sporen unproblematisch, solange sie keine geeigneten Wachstumsbedingungen finden.
Damit Schimmel wachsen kann, benötigt er im Wesentlichen drei Dinge:
Feuchtigkeit
organisches Material als Nährstoff
geeignete Temperaturen.
Da in Wohnungen fast immer organisches Material vorhanden ist – beispielsweise Staub, Tapeten, Holz oder Textilien – wird Feuchtigkeit zum entscheidenden Faktor.
Sobald Materialien dauerhaft feucht werden, können Schimmelpilze beginnen zu wachsen. Genau deshalb gilt in der Bauphysik ein einfacher Grundsatz:
Ohne Feuchtigkeit gibt es kein dauerhaftes Schimmelwachstum.
Typische Ursachen für Feuchtigkeit in Gebäuden
Feuchtigkeit in Wohnungen kann aus verschiedenen Quellen entstehen. In vielen Fällen handelt es sich nicht um einen einzelnen Faktor, sondern um eine Kombination mehrerer Ursachen.
Zu den häufigsten Ursachen gehören Kondensation an kalten Oberflächen. Wenn warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Wand oder ein Fenster trifft, kann sich Wasser niederschlagen. Dieser Effekt tritt besonders häufig im Winter auf.
Eine weitere häufige Ursache sind Wärmebrücken. Dabei handelt es sich um Bereiche in der Gebäudehülle, in denen Wärme schneller nach außen transportiert wird als in der Umgebung. Dadurch entstehen kältere Oberflächen, an denen Kondensation entstehen kann.
Auch Wasserschäden spielen eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise undichte Dächer, defekte Leitungen oder Schäden an Fassaden und Abdichtungen.
In manchen Gebäuden kommt zusätzlich aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich vor, insbesondere bei älteren Häusern mit fehlender oder beschädigter Abdichtung.
Versteckter Schimmel – ein häufig unterschätztes Problem
Ein Punkt, der sowohl von Wissenschaftlern als auch von Praktikern betont wird, ist die Tatsache, dass Schimmel nicht immer sichtbar ist.
Viele Menschen stellen sich Schimmel als dunkle Flecken auf Wänden vor. In der Realität kann sich Schimmel jedoch auch in Bereichen entwickeln, die von außen nicht erkennbar sind.
Typische versteckte Orte für Schimmel sind:
hinter Gipskartonplatten
unter Laminat oder Teppich
in Dämmmaterialien
in abgehängten Decken
in Lüftungsschächten
hinter großen Möbelstücken.
Gerade moderne Gebäude bestehen aus vielen unterschiedlichen Materialschichten. Wenn Feuchtigkeit in solche Konstruktionen eindringt, kann sich Schimmel innerhalb der Bauteile entwickeln, während die Oberfläche noch unauffällig wirkt.
Was Schimmelinspektoren aus der Praxis berichten
Fachleute, die regelmäßig Gebäude untersuchen, berichten oft von ähnlichen Beobachtungen.
Viele Feuchtigkeitsschäden bleiben lange unentdeckt. In manchen Fällen werden sichtbare Schimmelstellen entfernt oder überstrichen, ohne dass die eigentliche Ursache beseitigt wird.
Der amerikanische Schimmelinspektor Brian Karr beschreibt in seinen Vorträgen häufig, dass sichtbarer Schimmel nur ein Hinweis auf ein größeres Problem sein kann.
Seiner Erfahrung nach konzentrieren sich viele Menschen zunächst auf das sichtbare Wachstum an der Oberfläche. Doch in einigen Fällen kann sich der eigentliche Schaden in Bauteilen befinden, etwa hinter Wänden oder unter Böden.
Karr betont deshalb häufig, dass bei Schimmelproblemen immer auch die Feuchtigkeitsquelle untersucht werden sollte. Ohne diese Analyse bleibt die Ursache häufig bestehen.
Was wissenschaftliche Studien über Schimmel sagen
Auch die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich intensiv mit Schimmel und Innenraumluft.
Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen feuchten Gebäuden und gesundheitlichen Beschwerden.
Studien zeigen, dass Menschen, die in feuchten oder schimmelbelasteten Gebäuden leben, häufiger über bestimmte Symptome berichten. Dazu gehören vor allem Atemwegsbeschwerden, Husten, Reizungen der Schleimhäute und allergische Reaktionen.
Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte bereits im Jahr 2009 Leitlinien zur Innenraumluftqualität. Darin wird betont, dass Feuchtigkeit in Gebäuden vermieden werden sollte, weil sie das Wachstum von Mikroorganismen fördert.
Schimmel kann verschiedene Bestandteile in die Raumluft freisetzen. Dazu gehören Sporen, mikrobielle Fragmente, Geruchsstoffe sowie bestimmte Stoffwechselprodukte.
Diese Partikel können Teil sogenannter Bioaerosole sein, also biologischer Bestandteile der Luft.
Mykotoxine – ein häufig diskutiertes Thema
Ein besonders häufig diskutierter Begriff im Zusammenhang mit Schimmel sind sogenannte Mykotoxine.
Dabei handelt es sich um Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze. Einige dieser Stoffe sind in der Landwirtschaft oder Lebensmittelhygiene gut untersucht.
Im Zusammenhang mit Gebäuden wird jedoch weiterhin erforscht, in welchem Umfang Mykotoxine tatsächlich in Innenräumen vorkommen und welche Rolle sie für die Gesundheit spielen.
Während einige Fachleute aus der Praxis über mögliche Zusammenhänge berichten, betont die wissenschaftliche Forschung, dass viele Faktoren berücksichtigt werden müssen und dass komplexe Krankheitsbilder selten nur eine einzige Ursache haben.
Wo Wissenschaft und Praxis übereinstimmen
Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen stimmen Wissenschaft und praktische Erfahrung in einigen zentralen Punkten überein.
Der wichtigste Faktor für Schimmelwachstum ist Feuchtigkeit.
Ohne Feuchtigkeit können sich Schimmelpilze auf Baustoffen normalerweise nicht dauerhaft entwickeln.
Deshalb konzentrieren sich sowohl Bauphysiker als auch Sanierungsfirmen in erster Linie darauf, die Ursache der Feuchtigkeit zu identifizieren.
Auch die Tatsache, dass Schimmel häufig nicht sofort sichtbar ist, wird von beiden Seiten bestätigt.
Warum jedes Gebäude anders ist
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Gebäude sehr unterschiedlich sein können.
Unterschiede entstehen beispielsweise durch:
Baujahr des Gebäudes
verwendete Baumaterialien
Art der Dämmung
Klimabedingungen
Nutzung der Räume
Lüftungsverhalten der Bewohner.
Diese Faktoren beeinflussen, wie Feuchtigkeit entsteht und wie sie sich im Gebäude verteilt.
Deshalb können Schimmelprobleme in jedem Gebäude unterschiedlich aussehen.
Was Bewohner bei Schimmel in der Wohnung tun sollten
Wer Schimmel in der Wohnung entdeckt, sollte zunächst versuchen herauszufinden, woher die Feuchtigkeit stammt.
Wichtige Fragen können sein:
Wo tritt der Schimmel auf?
Ist die Wand kalt oder feucht?
Gab es einen Wasserschaden?
Befinden sich Möbel direkt an der Außenwand?
Wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit im Raum?
Die wichtigste Maßnahme besteht immer darin, die Ursache der Feuchtigkeit zu beseitigen.
Erst wenn die Feuchtigkeitsquelle behoben ist, kann verhindert werden, dass sich Schimmel erneut entwickelt.
Warum ein umfassender Blick wichtig ist
Schimmel in Wohnungen ist ein komplexes Thema, das sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis intensiv untersucht wird.
Während wissenschaftliche Studien vor allem statistische Zusammenhänge zwischen feuchten Gebäuden und gesundheitlichen Beschwerden analysieren, berichten Fachleute aus der Praxis häufig von konkreten Schadensfällen in realen Gebäuden.
Beide Perspektiven können helfen, das Thema besser zu verstehen.
Der entscheidende gemeinsame Punkt bleibt jedoch eindeutig: Feuchtigkeit ist die zentrale Voraussetzung für Schimmelwachstum.
Wer Feuchtigkeit im Gebäude erkennt und beseitigt, verhindert in den meisten Fällen auch langfristige Schimmelprobleme.
