Wenn Menschen dunkle Flecken an Wänden entdecken, wird oft sofort von „schwarzem Schimmel“ gesprochen. Dieser Begriff ist jedoch ungenau. In Wirklichkeit handelt es sich bei Schimmel um eine grosse Gruppe von Mikroorganismen.
Wissenschaftler kennen heute über 100 000 verschiedene Schimmelarten, und jedes Jahr werden weitere entdeckt. Nur ein kleiner Teil dieser Pilze wächst regelmässig in Gebäuden. Voraussetzung dafür ist fast immer Feuchtigkeit.
In Wohnungen werden besonders häufig einige bestimmte Schimmelgruppen gefunden.
Cladosporium
Cladosporium gehört zu den häufigsten Schimmelarten in Innenräumen. Er bildet meist olivgrüne bis dunkelbraune oder schwarze Flecken.
Dieser Schimmel wächst häufig auf:
- Fensterrahmen
- Holzoberflächen
- Tapeten
- Textilien
- Fensterdichtungen
Cladosporium kann sich besonders gut in Bereichen entwickeln, in denen sich Kondenswasser bildet, etwa an kalten Aussenwänden oder schlecht isolierten Fenstern.
Seine Sporen befinden sich praktisch überall in der Luft. Bei empfindlichen Menschen können sie Allergien, Reizungen der Atemwege oder Asthma verstärken.
Unter dem Mikroskop bildet Cladosporium lange Ketten aus Sporen, die wie kleine Perlen aneinander gereiht aussehen.
Penicillium
Penicillium ist eine sehr grosse Pilzgruppe mit mehreren hundert bekannten Arten. In Wohnungen erscheint er oft als blaugrüner oder grünlicher Belag.
Penicillium wächst besonders gerne auf:
- Tapeten
- Putz
- Teppichen
- Holz
- Papier
- Lebensmitteln
Dieser Schimmel verbreitet sich sehr leicht über die Luft. Seine Sporen sind extrem klein und können deshalb schnell in andere Räume gelangen.
Unter dem Mikroskop ist Penicillium besonders leicht zu erkennen. Seine Sporenstruktur erinnert an einen kleinen Pinsel oder eine Bürste – daher stammt auch sein Name.
Eine Art dieser Pilzgruppe wurde weltberühmt: Aus Penicillium wurde das Antibiotikum Penicillin entdeckt, das Millionen von Menschenleben gerettet hat.
Aspergillus
Die Schimmelgruppe Aspergillus umfasst über 200 verschiedene Arten. Einige davon können auch in Wohnungen wachsen.
Je nach Art kann Aspergillus:
- grau
- grün
- gelblich
- oder dunkel erscheinen.
Er wächst häufig auf:
- Tapeten
- Dämmstoffen
- Putz
- Staubablagerungen
- Lebensmitteln
Unter dem Mikroskop bildet Aspergillus eine charakteristische Struktur: Die Sporen sitzen auf einem kugelartigen Kopf, der fast wie eine kleine Löwenzahnkugel aussieht.
Einige Aspergillus-Arten können gesundheitliche Probleme verursachen, insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Alternaria
Alternaria ist ein sehr verbreiteter Schimmelpilz, der sowohl in der Natur als auch in Gebäuden vorkommt. Er bildet meist dunkelbraune bis schwarze Flecken.
Typische Stellen, an denen Alternaria wachsen kann:
- Fensterrahmen
- Badezimmerfugen
- feuchte Wände
- Tapeten
- Pflanzenreste
Alternaria kommt besonders häufig in Bereichen vor, in denen Feuchtigkeit und organisches Material vorhanden sind.
Diese Schimmelart ist bekannt dafür, bei empfindlichen Menschen Allergien und Atemwegsbeschwerden auszulösen.
Unter dem Mikroskop haben die Sporen von Alternaria eine ovale Form und sind oft durch mehrere Querwände unterteilt.
Stachybotrys chartarum – der sogenannte „schwarze Schimmel“
Stachybotrys chartarum wird häufig als der klassische „toxische schwarze Schimmel“ bezeichnet.
Dieser Schimmel wächst vor allem auf Materialien, die lange Zeit stark durchnässt waren, zum Beispiel:
- Gipskartonplatten
- Tapeten
- Holz
- Karton
- feuchter Putz
Er benötigt dauerhaft sehr hohe Feuchtigkeit, weshalb er meist erst nach länger bestehenden Wasserschäden entsteht.
Stachybotrys bildet eine dunkle, oft schleimige oder samtartige Oberfläche.
Unter dem Mikroskop erscheinen seine Sporen dunkel und relativ gross im Vergleich zu vielen anderen Schimmelarten.
Meist sind mehrere Schimmelarten gleichzeitig vorhanden
Ein wichtiger Punkt, den viele Menschen nicht wissen:
In Wohnungen wird selten nur eine einzige Schimmelart gefunden.
Wenn ein Bauteil längere Zeit feucht bleibt, entsteht ein Lebensraum, in dem sich mehrere verschiedene Pilzarten gleichzeitig ansiedeln können.
Bei Laboranalysen findet man deshalb häufig eine Mischung aus:
- Penicillium
- Cladosporium
- Aspergillus
- Alternaria
Welche Arten genau wachsen, hängt stark von Faktoren ab wie:
- Material der Oberfläche
- Dauer der Feuchtigkeit
- Temperatur
- Luftzirkulation im Raum
Warum eine Schimmelanalyse sinnvoll sein kann
Wenn Schimmel entdeckt wird, wird er oft einfach entfernt oder überstrichen. Dabei bleibt häufig unklar, welche Schimmelarten tatsächlich vorhanden sind.
Eine Laboranalyse kann helfen, mehr Klarheit zu schaffen.
Dabei können Fachlabore bestimmen:
- welche Schimmelarten vorhanden sind
- wie hoch die Sporenbelastung ist
- ob mehrere Arten gleichzeitig vorkommen.
Eine solche Analyse kann besonders wichtig sein, wenn:
- der Schimmelbefall gross ist
- gesundheitliche Beschwerden auftreten
- die Ursache des Schadens unklar ist.
Wichtiger Hinweis
Schimmel in Wohnungen sollte immer ernst genommen werden. Auch wenn kleine Flecken manchmal harmlos wirken, kann Schimmel ein Hinweis auf verborgene Feuchtigkeit im Gebäude sein.
Besonders wichtig ist zu wissen:
- Schimmel entsteht fast immer durch Feuchtigkeit
- Oft sind mehrere Schimmelarten gleichzeitig vorhanden
- Sichtbarer Schimmel ist manchmal nur ein kleiner Teil des eigentlichen Problems
- Hinter Wänden, Sockelleisten oder Tapeten kann sich weiterer Schimmel befinden
Wenn Schimmel immer wieder auftritt, ein muffiger Geruch vorhanden ist oder gesundheitliche Beschwerden auftreten, kann es sinnvoll sein, die Situation genauer untersuchen zu lassen.
Schimmel ist ein komplexes Thema. Viele verschiedene Schimmelarten können in Wohnungen vorkommen, oft sogar gleichzeitig.
Entscheidend ist nicht nur die Entfernung des sichtbaren Schimmels, sondern vor allem die Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle. Nur wenn die Ursache gefunden und behoben wird, lässt sich verhindern, dass der Schimmel immer wieder zurückkommt.
