Wann muss der Putz bei Schimmel entfernt werden?

Wenn Schimmel in einer Wohnung entdeckt wird, stellt sich oft die Frage:
Reicht es, die Oberfläche zu reinigen – oder muss der Putz entfernt werden?

Viele Schäden werden nur oberflächlich behandelt. Dabei bleibt die eigentliche Ursache oft im Material bestehen.

Die Empfehlung des BAG

Gemäss Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gilt:
Wenn der Schimmelbefall eine Fläche von etwa 70 × 70 cm oder mehr erreicht, sollte die betroffene Oberfläche in der Regel nicht nur gereinigt, sondern fachgerecht entfernt und saniert werden.

Der Grund dafür ist einfach:
Bei grösseren Befallsflächen dringen die Schimmelpilze meist tiefer in Materialien wie Putz, Tapeten oder Holz ein. Eine rein oberflächliche Reinigung kann die Sporen an der Oberfläche entfernen, nicht aber den Schimmel im Inneren des Materials.

Dadurch wächst der Schimmel häufig nach kurzer Zeit wieder zurück.

Warum der Putz oft entfernt werden muss

Putz ist ein poröses Material. Feuchtigkeit kann darin gespeichert werden, und Schimmelsporen können sich tief im Material festsetzen.

Wenn der Befall bereits grösser ist, bedeutet das häufig:

  • Die Feuchtigkeit ist schon länger vorhanden
  • Der Schimmel sitzt nicht nur an der Oberfläche
  • Sporen befinden sich im Material selbst

In solchen Fällen wird der betroffene Putz meist teilweise entfernt, damit die belasteten Materialien vollständig beseitigt werden können.

Wenn modriger Geruch aus Sockelleisten kommt

Ein weiterer Hinweis auf ein tieferes Problem ist ein muffiger oder modriger Geruch, der aus Sockelleisten oder Wandbereichen kommt.

Dieser Geruch entsteht oft, wenn:

  • Feuchtigkeit hinter der Wand vorhanden ist
  • Bauteile wie Holzleisten oder Dämmmaterial betroffen sind
  • sich Schimmel unsichtbar hinter Verkleidungen oder im Putz ausbreitet

In solchen Situationen ist der sichtbare Schimmel oft nur ein kleiner Teil des eigentlichen Problems.

Wichtig: Die Ursache der Feuchtigkeit finden

Das Entfernen von Putz oder befallenen Materialien ist nur ein Teil der Sanierung. Entscheidend ist immer, die Ursache der Feuchtigkeit zu finden.

Typische Ursachen können sein:

  • Baumängel oder fehlende Abdichtungen
  • eindringende Feuchtigkeit von aussen
  • Wärmebrücken
  • Wasserschäden oder Leckagen

Solange die Feuchtigkeit nicht beseitigt wird, kann Schimmel jederzeit erneut entstehen.

Welcher Putz nach der Sanierung sinnvoll ist

Nachdem verschimmelter Putz entfernt und fachgerecht entsorgt wurde, stellt sich die Frage, welcher neue Putz verwendet werden sollte. Häufig wird in solchen Fällen Kalkputz empfohlen.

Kalkputz hat mehrere Eigenschaften, die bei der Sanierung von feuchtebelasteten Wänden hilfreich sein können.

Er ist diffusionsoffen, das bedeutet, dass Feuchtigkeit aus der Wand besser nach aussen abgegeben werden kann. Dadurch kann sich weniger Feuchtigkeit im Material stauen.

Zusätzlich besitzt Kalk einen hohen pH-Wert. Dieses alkalische Milieu kann das Wachstum von Schimmelpilzen an der Oberfläche erschweren.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Kalkputz Feuchtigkeit temporär aufnehmen und wieder abgeben kann. Dadurch kann er zu einem ausgeglicheneren Raumklima beitragen.

Wichtig bleibt jedoch:
Auch der beste Putz kann Schimmel nicht dauerhaft verhindern, wenn die Ursache der Feuchtigkeit im Gebäude nicht behoben wird. Darum sollte vor jeder Sanierung immer zuerst geklärt werden, woher die Feuchtigkeit kommt.

Wichtige Erkenntniss

Bei grösserem Schimmelbefall – etwa ab einer Fläche von 70 × 70 cm – reicht eine oberflächliche Reinigung meist nicht mehr aus. In vielen Fällen müssen betroffene Materialien wie Putz, Tapeten oder Holz entfernt werden.

Besonders wenn zusätzlich ein muffiger Geruch aus Sockelleisten oder Wandbereichen wahrnehmbar ist, sollte der Schaden fachlich untersucht werden. Nur wenn die Ursache der Feuchtigkeit gefunden und behoben wird, lässt sich Schimmel dauerhaft beseitigen.

Schimmel entsteht meist nicht durch einen einzigen Faktor. Oft spielen Raumklima, Feuchtigkeit, Bauphysik und Lüftungsverhalten zusammen. In den folgenden Artikeln finden Sie weitere wichtige Ursachen und Lösungen.